Die Wudang Familie

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Wudangshan und Daoismus

Wenn vom Wudang-Daoismus die Rede ist, betrifft das geografisch nur einen Teil des Wudangshan (Wudang-Gebirges) – 72 Gipfel, die sich um den 1.612 m hohen Hauptberg Tianzhu (Himmelssäule) gruppieren.

Der Wudangshan entwickelte sich zwischen dem 6. und 10. Jh. allmählich zu einem Zentrum für Daoisten, parallel zur Erhebung des Daoismus zur offiziellen Staatsreligion unter Kaiser Tai Zong (626-649), der im Wudangshan den Fünf-Drachen-Tempel errichten ließ.

Im frühen 15. Jh. erlebte der Wudangshan eine weitere Aufwertung – als Ausgleich bzw. als Legitimation für seine Thron-Usurpation ließ Zhu Di von unglaublichen 200.000 Handwerkern zahlreiche Tempel (zu Ehren Zhang Sanfengs) am Wudangshan errichten, stellte das ganze Areal als kaiserlichen Forst unter Schutz und Daoisten aus dem ganzen Land wurden eingeladen, hier ihren Lebensmittelpunkt einzurichten.

Zhang Sanfeng und Zhen Wu – Mythos UND Wirklichkeit?

1247 geboren, stammten Zhang Junbaos Vorfahren eigentlich aus Long Hu Shan (Drachen-Tiger-Berg). Astrologische Berechnungen seines Vaters führten diesen aber zu der Annahme, dass sein Sohn, wenn in Liao Dong geboren, Ruhm erlangen würde. So wurde der Wohnsitz kurzerhand verlegt. Zhang erlernte schon früh die Kampfkünste, widmete sich dem Studium klassischer Schriften – einer glänzenden politischen Laufbahn stand nichts im Wege. Nach längeren Reisen wurde er Schüler des Daoisten Huo Long (Feuerdrache) in Bao Ji – und hier legte er sich den Namen Sanfeng zu. Sanfeng bedeutet wörtlich dreifacher Reichtum. Die Schriftzeichen werden aber auch als Yin und Yang gedeutet, und den Zeichen im Yijing entsprechend als Xian, männlich für den Himmel, und Kun, weiblich für die Erde.

Nach vier Jahren erfolgloser Bemühungen um die von Huo Long vermittelten Techniken der Langlebigkeit zog sich Zhang Sanfeng in die Wudangberge zurück, wo er nach neun Jahren Meditation und Übung das Dao erfuhr.

Es ist ungelöst, ob er der gleiche Zhang Sanfeng, ein Daoist der Sekte der Vollkommenen Wahrheit, war, der die Wudang Sanfeng Tradition ins Leben rief, die sich in einigen wichtigen Punkten von der Lehre der Vollkommenen Wahrheit abhebt. Einen zentralen Bezugspunkt der Wudang Sanfeng Schule bildet die Verehrung des Großen Vollkommenen Krieger-Kaisers Zhen Wu und damit verbunden die Praxis der inneren Kampfkünste: Zheng Wu kam als 15-jähriger Prinz zur Selbstkultivierung  in die Wudangberge und verwirklichte als einziger der mystischen Kaiser das Dao. Das im Namen enthaltene Wu steht für Krieger – Wudangshan ist der dem Krieger geweihte Berg. Zhen Wu ist Patron der Berge, er wird überall verehrt.

Legenden um Zhang Sanfeng

Um Zhang Sanfeng ranken sich verschiedene Legenden. In einer trifft der noch junge Sanfeng eine alte Frau, die eine Eisenstange an einer Felswand reibt. Auf seine Frage nach dem Sinn dieser Bemühung erwidert ihm die alte Frau, dass sie, um der Tochter ein Brautkleid nähen zu können, eine Nadel braucht und deshalb so lange die Stange schleifen wird, bis sie zur Nadel geworden ist.

Eine andere Legende lässt den inzwischen gealterten Sanfeng den Tanz eines Kranichs beobachten, der alsbald in erbitterten Kampf umschlägt: eine Schlange hat sich dem Vogelnest zu weit genähert. Mit weit ausholenden Flügeln schlägt er um sich, sein taumelnder Tanz verrät dabei nicht, von wo aus sein nächster Angriff zu erwarten ist. Die Schlange schützt sich mit erhobenem kreisenden Haupt über dem zusammengerollten Körper, um bei einer Schwäche des Kranichs vorzuschnellen. Der Kranich schickt zielsicher seinen Schnabel, nur um den Kopf der Schlange durch lediglich eine halbe Drehung bedrohlich nah an seinen Krallen zu sehen – nur ein halber Überschlag kann ihn retten. Hin und her geht der Kampf, bis sich alles wieder beruhigt, die Schlange sich zurückgezogen hat und der Kranich seiner Nestpflege nachgeht.

Vielen sind solche Ursprungslegenden aus diversen Kampfkünsten bekannt, so auch diese des Wudang Tai Chi, in denen aus der Begegnung mit einer absurden Aktivität die Einsicht in die Notwendigkeit beharrlicher Übung und aus der Beobachtung des Kampfes zweier Tiere die Entwicklung eines jeweiligen Kampfkunststils folgte. Die Geschichte des Tierkampfes wird oft und dabei mit wechselnder Besetzung erzählt – mal ist es eine Schlange und ein Kranich, ein anderes Mal eine Schlange und ein Adler etc., so dass sie schon abgedroschen erscheinen oder zweifelhaft in ihrem Wahrheitsgehalt erscheinen könnte.

Aber wovon handelt eine Legende? Sie ist ein Gleichnis, in dem es darum geht, die in der einfachen Geschichte aufgehobene Weisheit zu vermitteln. Bei den Kampfkunstlegenden, Zeuge eines Kampfes zwischen Tieren und dessen nachfolgender Übertragung zu werden, geht es darum, geduldig und mit genauer Beobachtung von der Natur zu lernen – das sind so wichtige Voraussetzungen des Tai Chi wie das unermüdliche, unbeirrte Üben – aus grundlegenden Beobachtungen der Natur wurden die daoistischen Prinzipien von Yin und Yang, des Taichi, formuliert. Mit dem Wudang Tai Chi schuf Zhang Sanfeng die Grundlagen des „weichen Kämpfens“, eine Verbindung der daoistischen Philosophie, ihrer Prinzipien von Yin und Yang, den daoistischen Atemübungen und den 13 Grundbewegungen des Tai Chi Chuan (taijiquan): Die 8 Handbewegungen und die 5 Schrittarten. So entstand die Tai Chi 13 Form.

Wudang Tai Chi und San Feng Pai

Die Wudang Kampfkünste wurden in die Liste der immateriellen Kulturerbe aufgenommen und sind heute weltweit bekannt. Es ist eine große Ehre, vom Meister dazu bestimmt zu werden, die Werte und Traditionen der inneren Kampfkunst und die Lehren des Kulturerbes Wudang Sanfeng weiterzugeben.

Meister Ziji (Michael Weichhardt) brachte mit seiner offiziell anerkannten Schule (Wudang Akademie Wien) das Wudang Kungfu nach Österreich und sieht es als eine Lebensaufgabe, die Lehren des Daoismus und des Wudang Kungfu weiterzugeben. Als eine seiner ersten Schülerinnen schätze ich mich glücklich über den von ihm erhaltenen Lehrauftrag, in der Wudang Tai Chi Schule mein erlerntes Wissen weiterzugeben.

Stammbaum

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