Unsere Mitte – Hüfte und Dantian im Tai Chi

Der untere Dantian (oder Xia-Dantian) [1] und die Hüfte haben im Tai Chi wichtige Funktionen. Dieser Dantian befindet sich im Unterbauch und ist ein energetischer Schwerpunkt, ein Energiezentrum. Die Akupunkturpunkte in dieser Region (Bauchpunkte) aktivieren das Qi und unterstützen die aufrichtende Funktion des Körpers. Die Bewegungen im Tai Chi haben ihren Ursprung in diesem energetischen Schwerpunkt und breiten sich von dort aus.

Stabilität und Gleichgewicht

Nicht zuletzt durch ihre regionale Nähe gibt es zwischen Dantian und Hüfte ein elementares Zusammenspiel. Die Hüfte sorgt für die Stabilität und durch die Hüft-Beckenkonstruktion ist unser Oberkörper mit dem Unterkörper verbunden. Somit ist die Hüfte auch ein Bindeglied zwischen Bewegungen des Oberkörpers und Unterkörpers. Schon kleine Dysbalancen, Fehlhaltungen oder Defizite in der Mobilität können das Zusammenspiel zwischen Ober- und Unterkörper oder linker und rechter Seite aus dem Gleichgewicht bringen. Diese Harmonie soll im Tai Chi wieder hergestellt werden.

Hüfte und Kantian im Tai Chi
Foto: Michael Weichhardt

Hüftumgebende Muskeln

Die Hüfte ist unser zentraler Stützpunkt und ermöglicht uns eine Vielzahl an Bewegungen. Für die Hüftbewegungen sind über 40 Muskeln beteiligt, kein Muskel wirkt völlig allein. Die Hüfte bestimmt unsere Symmetrie. Die rechte und die linke Körperseite sollten daher auch immer gleichmäßig trainiert werden.

Ausgehend vom Dantian bedienen sich die Tai Chi Übungen dieser vielen Bewegungsmöglichkeiten und fördern sie damit auch. Voraussetzung dafür ist eine gewisse Flexibilität, die durch die Tai Chi Übungen wieder erlangt werden kann.

Wohlfühlen durch Steigerung der Hüftmobilität

Durch einseitige Belastung oder Bewegungsmangel geht die Flexibilität verloren, viele Menschen leiden im Alltag darunter. Eine eingeschränkte Beweglichkeit in der Hüfte ist ein weitverbreitetes Problem in unseren heutigen Lebensführungen. So wird es nämlich notwendig, dass ein Teil des Bewegungsapparates die Arbeit von einem anderen unflexiblen, eingeschränkten Teil übernehmen muss. Eine Überbelastung ist die Folge. Die Kombination aus Bewegungsmangel und Kraftverlust wirkt sich negativ auf die Haltung aber auch auf einige psychophysiologische Ebenen aus.

Fehlhaltungen, Stress und Schmerzen entgegenwirken

Fehlhaltungen können auch durch Stress, Schmerzen wiederum durch Fehlhaltungen entstehen. Somit haben körperliche Schmerzen oft psychosomatische Ursachen. Körperlich wirkt sich Stress insofern aus, dass sich durch die stete innere Anspannung die Muskulatur verhärtet und verkürzt. Bewegungseinschränkungen und falsche Haltung sind vorprogrammiert.

Wie durchbricht man nun diesen Teufelskreis? Wenn man sich der Intensität der eigenen Belastung erst einmal bewusst wird, lässt sich Stress relativ leicht durch sportliche Aktivitäten und Entspannungsübungen abbauen. Weil Tai Chi sowohl den Körper, den Geist als auch die Emotionen mitbedenkt, ist es ein perfektes Instrument, um Belastungen jeglicher Art entgegenzuwirken, denn Tai Chi wirkt entsprechend der Tai Chi Prinzipien immer ausgleichend.

Emotionale Entspannung

Auch auf emotionaler Ebene helfen uns hüftöffnende Übungen sehr. Sie entspannen uns. Wie hängt emotionale Entspannung mit Dehnübungen der Hüfte zusammen? Unsere Hüfte ist wie ein verstecktes Körpergedächtnis. Emotionen (wie Angst, Trauer oder auch Stress und traumatische Ereignisse) setzen sich in der Hüfte fest. Sie sind zwar versteckt aber trotzdem vorhanden. Das Entspannen der Hüftmuskulatur, speziell der Oberschenkelinnenseite und des Psoas, ist also nicht nur körperlich, sondern auch emotional von besonderer Bedeutung.

Hier eine einfache, aber wirkungsvolle, vorbereitende Dehnübung:

Legen Sie sich auf den Rücken, legen Sie die Fußsohlen aneinander und rücken Sie die Füße nahe ans Gesäß. Lassen Sie nun die Knie entspannt sinken.

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Bitte nehmen Sie sich mehrere Minuten für diese Übung, denn es braucht eine gewisse Zeit, bis die Hüfte entspannen und loslassen kann. Durch das lange Halten der Dehnung wird auch das Bindegewebe angesprochen. Die Atmung ist bei der Übung sehr bedeutsam und unterstützt die Entspannung der Muskeln. Atmen Sie ruhig und gleichmäßig und stellen Sie sich vor, mit jedem Ausatmen mehr loszulassen. Allein durch die Atmung und die Schwerkraft kann sich die Hüfte erstaunlich weit und dennoch ganz sanft öffnen.

 


[1] Es gibt auch den oberen und mittleren Dantian, auf die dann ausführlich in weiteren Artikeln eingegangen wird.

 

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