Entspannen auf Befehl?!

Geht das überhaupt? Und was genau ist eigentlich Entspannung?

Diese Fragen kann man nur unter Einbeziehung des Gegensatzpaares (An)Spannung vs. Entspannung beantworten. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar, das heißt, Spannung und Entspannung bedingen und definieren einander. Gemeinsam ergeben die beiden Prinzipien, die beiden Energien (wie Yin und Yang) ein perfektes Ganzes. Nimmt das eine zu, muss das andere abnehmen, doch sollten beide stets in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.

Anspannung wird dann als unangenehm empfunden, wenn sie keine bestimmte, jedenfalls keine willentliche Funktion erfüllt und sich störend einschleicht, wie es zum Beispiel durch Stress geschieht. In vielen Situationen ist (An)Spannung aber genauso wichtig wie Entspannung – allein für die Haltung, für die Bewegung. Das sollte uns bewusst sein, wir brauchen die Anspannung nicht fürchten.

Den Unterschied von Entspannung und Spannung im Tai Chi Training spüren

Im Tai Chi ist es wichtig, diesen Unterschied zu spüren und den bewussten Einsatz beider Gegensätze zu üben. Bei jeder Bewegung ist bereits vorgegeben, ob sie in Spannung oder Entspannung durchgeführt wird bzw. wo und wie welches Prinzip angewendet werden muss, damit sie gelingen kann und harmonisch aussieht.

Um dies zu illustrieren, stellen wir uns einige Bewegungen vor: Beim Nachsteigen und Setzen des zweiten Schrittes nach dem richtungsgebenden ersten Schritt ist eine gewisse Spannung notwendig, damit auch dieser folgende zweite Schritt ruhig und nicht wackelig aussieht.

Die Hände steigen, verharren und fallen im Tai Chi: Wenn die Hand fällt, entspannt sie dabei und so verläuft ihr Weg ganz natürlich. Die Fingerspitzen geben allerdings die Richtung der Hand- bzw. Armbewegung vor, und so ist in den Fingerspitzen gerade so viel Spannung notwendig, dass diese Richtung gut spürbar wird.

Was den Atem betrifft: Bevor viel Kraft benötigt wird, vor der Spannung also, ist es wichtig einzuatmen, damit für die Muskeln genügend Sauerstoff vorhanden ist. Wenn der Körper entspannt, kann ausgeatmet werden. Die Atmung ist daher auch ein wesentlicher Schlüssel für das Funktionieren des komplementären Kräfteverhältnisses und einen ausgewogenen Bewegungsablauf.

Konsequente Entspannungsübungen

Durch konsequente Übung kann man mit der Zeit tatsächlich lernen, auf (eigenen) Befehl hin zu entspannen. Das ist nicht nur für das Tai Chi Training gut und notwendig, es ist hilfreich in allen Alltagssituationen.

Wenn aber nur ein Teil des Gegensatzpaares – nur die Entspannung, nicht aber die (An)Spannung – im Fokus steht, wie das oft bei passiven Entspannungsübungen der Fall ist, kann der ergänzende Aspekt dieser wechselseitigen Wirkung des jeweiligen Kontrapunktes nicht geübt und das so fundamentale Konzept der Harmonie nicht verinnerlicht werden.

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